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Daniel Schuhmacher Drucken
Geschrieben von: PK   
"Ich und Twitter, das ist sowieso, ach keine Ahnung. Also Facebook, da bin ich total drin und auf meiner Homepage bin ich auch total drin, aber twittern? Also ich finde, dass Twittern echt eine komplizierte Sache ist, wenn man da nicht so drin ist."





Ich habe ein Interview von 2009 von dir gesehen, wo du gesagt hast, dass du Interviews sehr gerne machst. Ist das wirklich noch so? Vor allem an Tagen, an denen du bestimmt zehn Mal die gleiche Frage gestellt bekommst?


Grundsätzlich macht es mir Spaß, weil ich gerne rede. Ich bin halt eine Quasselstrippe. (lacht) Klar, wenn man manchmal immer wieder die gleiche Frage gestellt bekommt, fällt es einem dann irgendwann so ein bisschen schwer das so zu beantworten, dass es nicht langweilig rüberkommt. Aber grundsätzlich macht es mir immer noch Spaß Interviews zu machen.

Du bist ja gerade auf Club-Tour, oder beginnt die jetzt gerade erst?

Die beginnt am 2. November und da freue ich mich schon sehr drauf. Wir haben ja das neue Album auch noch nicht rausgebracht, was ja aus komplett selbst geschriebenen Sachen bestehen soll zum ersten Mal. Und wir schreiben ja auch schon seit zwei Jahren an den Sachen. Das Album ist jetzt geplant für nächstes Jahr im Frühjahr. Und die Tour wollen wir jetzt so ein bisschen nutzen um es anzutesten, damit die Leute sagen können wie es ihnen gefällt. Da kann man so ein bisschen gucken, wie die Resonanz so ist.

Hast du schon einmal eine Club-Tour gemacht oder ist das deine erste?


Nee, ich geh jetzt auf die dritte Tour schon. Die erste Tour war eine Hallen-Tour, letztes Jahr mit dem zweiten Album war es eine Club-Tour und jetzt ist es die dritte Tour. Aber eigentlich ist das jetzt für mich die aufregendste, weil es zum ersten Mal so ist, dass ich meine eigenen Songs präsentiere, also meine selbst geschriebenen und selbst komponierten. Das ist schon ein bisschen so, dass man die Babys auf die Welt loslässt und man auch gespannt ist, was die Leute dazu sagen und ob man die Leute auch überraschen kann mit den neuen Sachen. Das ist schon alles eine spannende Angelegenheit.

War es denn schwer dieses DSDS-Image abzuwerfen?


Es ist glaube ich, immer noch so ein Teil da. Es ist natürlich so, dass Menschen einen so ein bisschen als Marionette sehen statt als einen selbstständigen Künstler. Und insofern war es für mich natürlich super, dass ich seit Anfang des Jahres, seit Mai, jetzt ein neues Management habe, das mir einfach die Freiheiten gibt und sagt: Mach dein Ding, verfolge deine Wünsche. Und genau das wird es auch auf dem neuen Album und auf der Tour sein, weil ich jetzt alles selbst bestimme. Ich habe die Songs alle geschrieben, ich bestimme die Themen und wie der Sound sein soll und wie es klingen soll und in welche Richtung es gehen soll. Das sind alles Sachen, die mich stolz machen, weil ich dafür lange kämpfen musste. Viele sagen da bestimmt: Was hat´n der für ein Problem? Einfach sein Ding machen, das ist doch eigentlich leicht. Es ist leider nicht so leicht. Man ist anfangs in diesem Business so neu und so unerfahren und muss erst einmal in das Ganze reinwachsen und auch lernen sich zu behaupten. Und da habe ich jetzt lange dafür gebraucht, um jetzt auch diesen Schritt gehen zu können. Das macht mich eben schon stolz und ich freu mich einfach sehr sehr arg auf die Tour. (lacht).

Du hast deinen Style. Deine Haare, dieser großer Ohrring. Also ist das eigentlich ein Ohrring oder ist das so ein richtig großes Loch?

Nein, das ist ein Ohrring. (lacht) Meine Ohrlöcher sind normal.

Du hast deinen Style auch ziemlich verändert. War das einfach notwendig oder kannst du jetzt auch durch das neue Management einfach so sein wie du bist?


Ich habe auch zum Teil schon früher größtenteils die Sachen angezogen, die ich wollte und bin einfach auch jemand, der nicht nach dem Trend geht und einfach die Sachen trägt, auf die er Bock hat.

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Und jetzt ist es natürlich auch so, dass ich mehr entscheiden kann, was ich trage und das mir nicht mehr so viel reingesprochen wird und mir da freie Hand gelassen wird. Also irgendwie geplant oder durchdacht, dass ich jetzt einen neuen Style habe, sodass alle jetzt geschockt sein sollen oder so, ist es nicht. Ich ziehe mich immer so an, wie ich gerade Bock habe und was mir gerade gefällt und style mich auch ebenso. Das kann ich jetzt auch so ein bisschen zelebrieren.

Wie wird das neue Album heißen?

Also das neue Album hat einen Titel, aber ich will den noch nicht bekannt geben. Das ist noch alles geheim. Aber es wird großartig werden. (lacht) Ich finde das selbst so, weil es beschreibt einfach zu 100% mich und meine Geschichte und alles, was ich in den letzten Jahren und auch schon früher erlebt habe und auch meine Ansichten. Und das ist eben das, was ich schon immer machen wollte und das ist glaube ich auch so die Ambition eines Künstlers, dass man sich einfach ausdrücken kann und was zu sagen hat und man nicht ständig darüber singt, wie toll die Liebe ist und wie großartig das Leben ist. Ich, so als Person, bin schon eher melancholisch veranlagt und meine Texte sind oft auch sehr melancholisch und sehr ernst, aber es gibt auch ein paar Songs, die ein bisschen anders sind. Ich liebe auch Songs mit Ironie und Sarkasmus und wenn man es damit ein bisschen verpacken kann. Und das spielt auch ein bisschen mit. Und deswegen sind meine Songs auch nicht nur vom Sound her, sondern auch von den Texten her sehr abwechslungsreich. Und das ist keine unspannende Sache, weil es auf der Tour auch unterschiedliche Sounds von den Songs gibt. Wir haben eine Nummer mit Bläsern, die zum Beispiel sehr sehr soulig ist. Es gibt Rock-Pop Nummern und auch eine Rock-Ballade, die sehr toll ist. Finde ich zumindest. (lacht) Das können die Leute bewerten, wie die das finden. Und es sind auch ein paar Dance Nummern. Also nicht so typische Dance Nummern, wie man sie so aktuell hört, sondern so im Retro-80er Jahre-Eurythmics-Style, da wird es auch ein paar Songs geben. Und ich glaube, das wird dann für die Zuschauer so ein buntes Konzert werden, wo sie verschiedene Facetten von mir kennenlernen werden.

Also kommen auf der Club-Tour deine Fans schon in den Genuss ein paar neue Stücke von dir zu hören?

Genau. Also sogar sehr viele. Wir spielen eigentlich bis auf zwei Songs nur neue Sachen, nur selbst geschriebenes. Ich spiele dann noch einen Song vom letzten Album und ein Cover, weil ich es irgendwie immer interessant fand mal einen Song zu covern und da einfach einmal meine Version daraus zu machen. Aber der Rest ist alles neues Material und zum Teil feiert das auf der Tour auch wirklich Premiere, weil ich das noch nie live gespielt habe. Das war natürlich auch eine lange Vorbereitungszeit mit der Band. Wir haben die letzte Woche mit der Band akribisch geprobt von morgens bis abends und haben uns Gedanken gemacht, was wir noch so soundtechnisch mit einbringen können oder was wir vielleicht noch arrangieren können. Und wir sind eigentlich sehr zufrieden. Also ich bin mit dem Ergebnis wirklich zufrieden und ich hoffe die Fans auch. (lacht)

Wie viele Leute arbeiten denn insgesamt daran so eine Tour vorzubereiten und dann auch durchzuziehen?

Also natürlich die Band. (lacht) Ohne die würde ja gar nichts gehen. Ich habe einen Booker, welcher die Bookings für mich macht und meine ??? ist auch dabei. Das ist glaube ich die erste Tour, wo ich mit meinem neuen Team plane, was ich im letzten Jahr gefunden habe oder was sich so zusammengefügt hat. Also ohne Band sind das vielleicht so vier fünf Personen, die da akribisch dafür arbeiten und auch kämpfen.

Man kann dir auf deiner eigenen Website auch Buchungsanfragen stellen. Mal angenommen, dass da ein Fan kommt und dich buchen möchte. Was erwartet der dann, also außer, dass du dich ins Wohnzimmer oder in den Garten stellst und dort ein paar Songs spielst?

Das mach ich nicht. (lacht) Also das sind eher so Booking-Anfragen für Veranstalter oder Events, nicht für Fans. Also solche Sachen mache ich eigentlich nicht.

Achso, also ist das dann doch schon für Größeres?


Ja ja, klar. Also schon für Veranstalter, dass die eben einen Kontakt haben. Das ist aber auch grundsätzlich auf jeder Homepage oder bei jeder Band auch normal, dass die solche Anfragen haben. Bei meinem alten Booker, den ich hatte und den ich teilweise immer noch habe, kann man auch auf der Homepage den Künstler anfragen. Wir haben es einfach mit auf die Homepage genommen, weil es natürlich auch leichter ist mich dort zu finden und es darüber zu machen.

Auf der Website steht auch, dass Street-Teams für dich unterwegs sind. Was machen die?


Die promoten sozusagen auch die Tour. Das sind richtig coole Fans, die einen unterstützen wollen und dann gehen die eben wirklich mit Plakaten und Flyern zu Geschäften und fragen, ob sie die aufhängen dürfen und machen Werbung. Und sie erzählen den Leuten, warum sie Fan sind und warum das so toll ist. Dafür bin ich wirklich dankbar, weil das einfach nicht selbstverständlich ist. Wenn Fans das machen, dann kann man einfach nur dankbar sein. Und meine Fans sind da total gut. Ich sehe es ja immer auf Facebook auch, wie hart die daran arbeiten, wie sie Überzeugungsarbeit am Leisten sind und freue mich da immer total darüber, wenn sie mir dann immer Ergebnisse bringen so: Daniel, wir haben heute das und das gemacht und so. Das ist schön, wenn man Fans hat, die einen auch noch so unterstützen und eben auch dahinter stehen und für einen kämpfen und sagen: Hey Leute! Guckt euch den an! Der hat was drauf. Der kann was. Natürlich können das Fans viel besser vertreten als irgendjemand anderes und können eben auch erzählen, warum das super ist oder warum es ihnen gefällt. Also ich bin wirklich froh, dass ich so Street-Teams habe. (lacht)

Facebook und Twitter bedienst auch wirklich du?

Twitter habe ich gar nicht.

Doch doch, hast du. (lacht)

Achso doch, Twitter habe ich, aber das ist so, dass das alles über Facebook läuft.  Also Facebook mache ich selber alles. Ich bin da auch niemand, der da jemanden schreiben lässt, weil ich finde es auch arg unpersönlich. Also ich schreibe da wirklich auch selber. Ich habe auch immer relativ viele Blogs auf meiner Homepage, wo ich Texte poste, die ich gerade geschrieben habe oder auch Video-Blogs poste, in denen ich Face-Fragen beantworte oder wenn ich unterwegs bin etwas verrückte Blogs filme und die auf die Homepage stelle. Ich finde das einfach viel persönlicher und das ist auch einfach viel cooler, als wenn ich irgendjemandem sage: Hier, schreib mal bisschen was auf meiner Facebook-Seite. Das ist doch total langweilig.

Du beschreibst auf deiner Homepage auch sehr schön, wie man richtig twittert.

Das habe ich zum Beispiel nicht geschrieben. (lacht) Das habe ich erklären lassen.

Siehste. (lacht)


(lacht) Ich und Twitter, das ist sowieso, ach keine Ahnung. Also Facebook, da bin ich total drin und auf meiner Homepage bin ich auch total drin, aber twittern? Also ich finde, dass Twittern echt eine komplizierte Sache ist, wenn man da nicht so drin ist. (lacht)

Es ist eine Kunst für sich gerade mit den ganzen Hash-Tags und was weiß ich nicht alles...

Das stimmt. Die Erklärung, wie man das am besten macht und wie man am besten twittert, hat jemand für mich geschrieben. Gott sei Dank, weil ich wäre da sonst bestimmt irgendwann verzweifelt und es hätte wahrscheinlich kein Mensch verstanden. (lacht) Wenn ich das geschrieben hätte, hätten alle gesagt: Was labert der? Was? Ich blick nicht mehr durch. Bei solchen Sachen lasse ich mir dann halt helfen.

Hast du einen Talisman? Vielleicht einen, der dich auf deiner Club-Tour begleiten wird?

Ähm, nicht unbedingt. Ich habe mein Team dabei.(lacht) Das ist Talisman genug. Aber ich habe eigentlich keine extremen Glücksbringer. Ich freue mich immer arg, wenn ich ganz ganz liebe Geschenke bekomme, die von Herzen kommen und die auch einen Sinn oder eine Bedeutung haben. Aber so einen richtigen Talisman habe ich eigentlich nicht.

Mal zurückblickend gesehen: Würdest du sagen, dass die ganze DSDS-Sache der Start für deine Karriere war oder würdest du es im Nachhinein anders versuchen?

Also klar, es gibt immer die Schattenseiten einer Casting-Show. Das weiß man nun mittlerweile nach acht Staffeln DSDS. Dass man es dann im Radio schwer hat oder im Öffentlich Rechtlichen schwer hat, weiß glaube ich mittlerweile jeder, weil man es tausend Mal gelesen hat von jedem einzelnen Sieger. Aber was man sicher auch bedenken muss ist, dass ich ohne DSDS jetzt nicht auf meine dritte Tour gehen würde und ohne DSDS könnte ich auch jetzt nicht Musik in dem Größenmaß machen, wie ich es jetzt tue. Keine Ahnung, ich verkaufe zwar nicht Millionen, aber ich kann davon leben, mache meine Fans glücklich und fühle mich auch sehr wohl mit dem was ich mache. Vor allem jetzt, wo ich eben selbst entscheiden darf. Und deswegen war DSDS schon ein super Sprungbrett, was mir die Chance gegeben hat, mich zu beweisen. Klar ist auch, dass nach dieser Show, wo man jeden Tag auf RTL im Fernsehen zu sehen war, bei Punkt12 oder jeden Samstag eine Millionenshow hatte, dass dieses Größenmaß nicht mehr gegeben ist. Das ist ja auch verständlich. Aber deswegen bin ich froh, denn es gibt auch andere Beispiele, wo die Leute dann später gar nichts mehr gemacht haben oder auf einmal gar nicht mehr unterwegs waren und nichts mehr herausgebracht haben und da bin ich doch ganz froh wie es bei mir läuft, weil ich immer noch Musik machen kann und das seit fast drei Jahren. Und jetzt arbeite ich am dritten Album, was nächstes Jahr rauskommt. Und das sind alles Sachen, über die ich froh bin und auch in gewissem Maße stolz bin.

Hast du schon Pläne für die Zeit nach der Tour und wenn das Album rausgekommen ist, oder planst du doch nicht so langfristig?

Ich plane jetzt erst einmal natürlich die Tour. Und nach der Tour spiele ich noch ein paar Gigs und habe noch ein paar Veranstaltungen. Und ich produziere natürlich noch ein paar Sachen für das Album, ist ja noch gar nicht fertig produziert und wird jetzt fertig gemacht und ich arbeite noch an den Songs. Vielleicht fallen uns ja noch ein paar neue Songs ein. Wir sind da immer am Schreiben irgendwie, weil ich manchmal auch in gewissen Momenten voll die Kreativitäts-Anschübe habe und irgendwie noch Sachen machen will. Und Ende des Jahres und Anfang nächsten Jahres sind wir dann wahrscheinlich viel im Studio und werden die ganzen Sachen produzieren und akribisch daran arbeiten und dann kommt das Album raus und davor kommt ja natürlich auch noch eine Single heraus. Und das sind natürlich dann die nächsten Schritte, die gemacht werden müssen. (lacht)

Was sind das für Momente, in denen dir Texte für Songs einfallen?

Das kann in unterschiedlichen Momenten sein. Bei mir ist es ganz oft, wenn ich melancholisch werde oder wenn ich nach Terminen oder langen Zeiten wo ich unterwegs war, wieder nach Hause komme und einfach einen Break Down habe und einfach alles revue passieren lasse. Das kann aber auch sein, wenn ich einen Film schaue oder wenn ich mich über irgendwelche Themen unterhalte, dass ich durch die kleinsten Sachen inspiriert werde. Und viele Texte sind auch noch aus der Zeit vor DSDS. Einfach mein Leben und  meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, gerade in den letzten anderthalb oder zwei Jahren. Das, was da nach DSDS passiert ist und wie ich mich selber reflektiere und wie ich mich selber sehe, wie ich die Entwicklung sehe und wie ich mich teilweise auch fühle. Das ist alles sehr sehr intim sage ich jetzt mal. Ich erzähle wenig und rede auch wenig über private Sachen, aber ich schreibe eben sehr viel über Sachen, die eben persönlich sind, sehr intim. Und ich verarbeite auch so ein bisschen. Das ist ja auch so, dass die Musik immer so ein bisschen Therapie für einen selbst ist. Für mich ist das definitiv so. Ich schreibe mir auch immer ganz ganz viele Sachen von der Seele, die ich denke und die ich erlebt habe und kann das super auch so verarbeiten. Und genau so sind auch die Songs.

Okay, dann sind wir schon bei der letzen Frage: Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Oh Gott, die Frage finde ich immer unglaublich schwer. Ich hoffe sehr, dass ich in zehn Jahren immer noch Musik machen werde und dass ich davon noch leben kann. Und das ich dann der bestmöglichste Künstler bin, der ich sein kann. Also das ich dann wirklich zu 100% das gefunden habe, was ich machen will, weil ich immer noch im Selbstfindungsprozess bin. Ich bin jetzt 24 und kann glaube ich noch nicht davon reden, dass ich mich selbst gefunden habe. Und dass ich irgendwann immer noch am achten, neunten oder zehnten Album arbeite und immer noch kreativ bin und Ideen habe. Das hoffe ich, dass das in zehn Jahren der Fall sein wird.

Na das ist doch ein perfektes Schlusswort. Ich danke dir.

Ich dir auch!