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Stars Interviews Sido und B-Tight zu Blutzbrüdaz
Sido und B-Tight zu Blutzbrüdaz Drucken
Geschrieben von: RS   
Wie hat euch denn das Schauspielerdasein gefallen oder hat sich da vielleicht ein neuer Karriereweg für euch aufgetan?

B-Tight: Also gefallen hat es sehr. Es war auch sehr anstrengend. Die Zeiten waren halt einfach sehr anstrengend,
Also 4:30Uhr am Set sein und anderthalb Stunden...

Sido: Während wir gedreht haben, hat es uns nicht gefallen, also mir nicht.

B-Tight: Also mir schon.

Sido: Ich fand es die größte Scheiße, die man mir antun konnte. (lacht) Die ich mir aber auch selber ein bisschen angetan hatte, also ich fand es extrem scheiße, jeden Morgen so früh da zu sein. Also früh ist ja kein Ausdruck. Ich war manchmal um 3 Uhr da, weil wir dann vier Stunden lang... Wir haben ja keine Tattoos im Film und wir sind ja ganz gut tätowiert, aber im Film haben wir kein einziges, auch nicht die auf der Hand. Wir mussten jeden Tag zumindest bis hierhin (zeigt auf Hand) die komplette Hand und den Hals abdecken. Das war schon ganz schön anstrengend.

Mit Make-Up oder mit bestimmter Kleidung?

B-Tight: Ja, mit Airbrush-Make-Up-Pistolen.

Sido: Mit so einem latexfarbenem Scheiß.

Wie lief denn ein normaler Drehtag ab, wenn es so anstrengend für euch war? Ihr habt ja sicherlich teilweise auch am Wochenende gedreht?

B-Tight: Ja, wir hatten immer sonntags und montags frei und ansonsten wurde gedreht, also wirklich jeden Tag. Was war deine Frage nochmal? (lacht)

Wie so ein Drehtag ablief... (lacht)

B-Tight: Achso, ja. Aufstehen, geschminkt werden und dann ganz viel warten. Also, wirklich ganz viel warten.

Sido: Ich nicht!

B-Tight: Du nicht, du musstest ganz viel rumstehen.

Sido: Nein, ich war in jeder Szene. Also auch wenn ich nur hinten in der Ecke stand, ich war auf jeden Fall in jeder Szene im Film. Deswegen hatte ich nie diese Pausen, wo ich einfach warten musste. Ich musste jeden Tag als erster da sein und als letzter gehen. Es war sehr anstrengend.

B-Tight: Ja, aber auch bis das Licht aufgebaut wurde... Wir hatten auf jeden Fall genug Zeit, um auch rumzueiern und Spaß zu haben. Und auch wenn es keinen Spaß gemacht hat, dann haben wir uns den Spaß halt selber gemacht.

Und was war das Schlimmste für euch: Sich die Dialoge einzuprägen oder in eine andere Rolle zu schlüpfen?

B-Tight: Ja, für mich war es am schwierigsten als Eddy Gangster, also hinterlistig und so ein Kumpelarsch zu sein. Das war für mich ein bisschen schwierig. Und das hat mir auch ein bisschen Angst gemacht, dass ich das so authentisch rüberbringen konnte. Den Text auswendig lernen sollten wir sowieso nicht unbedingt. Nicht eins zu eins.

Sido: Wir haben auch die Texte eine halbe Stunde, bevor wir gedreht haben, immer festgesetzt. Da stand irgendeine Richtlinie im Buch, ungefähr was man sagen soll, aber was wir dann wirklich sagen... Wir haben immer vor jeder Szene eine halbe Stunde vorher geprobt, nochmal mit dem Regisseur und bei den Proben, für die Szene, ist der Text dann auch erst entstanden.

Also mehr ein Improfilm...


Sido: Naja, nicht wirklich, weil wenn der Text dann stand, haben wir den auch immer wieder so gesagt.

Und wieviel Persönlichkeit von euch steckt in Eddy und Otis?


B-Tight: Sehr viel. Muss auch. Wir müssen ja unsere persönliche Anlage da mit reinbringen, damit es halt auch authentisch wirkt. Also wenn wir jetzt anfangen würden uns irgendwie zu benehmen, wie wir gar nicht sind, dann würde man es sofort merken.

Sido: Dann merkt man, dass du spielst.

B-Tight: Genau und das sollte halt nicht so sein und deswegen war es ganz cool eigentlich.

Sido: Also spielen war jetzt nicht schwer. Es gibt bestimmte Blicke, die on point sein mussten und Timing. Das sind so Sachen, die du ja im normalen Leben nicht mit einbeziehst. Wenn du mit jemandem redest, achtest du ja nicht darauf, wann du jetzt dein Auge wohin machst oder so. Aber das sind so Momente, die musst du dann eben so echt wie möglich spielen und dann muss trotzdem der Blick zur richtigen Zeit kommen. Das waren so Sachen, die ein bisschen schwierig sind, aber Texte lernen und sowas, das ist nicht so schlimm.

Im Film gerät ja die Freundschaft zwischen Eddy und Otis ins Wanken, gerade dann, wenn sie erfolgreich werden. Habt ihr sowas auch schon einmal erlebt, als eure Karriere steil nach oben ging?

B-Tight: Nein, das war weitaus vor der Karriere. Erzähl nochmal die
T-Shirt-Geschichte. (lacht)

Sido: Wir hatten erst einen Streit miteinander, wir beide. Der ist sehr sehr lange her. Da waren wir 16 oder so. Da ging es um ein T-Shirt, das ihm gehört hat, das ich anhatte. Wir wollten aber abends weggehen und dann wollte er plötzlich, dass ich das T-Shirt ausziehe, weil er das anziehen wollte. Und ich hätte jetzt nochmal nach Hause gehen müssen und mir ein anderes T-Shirt holen müssen und ich habe gesagt: „Nein!“ Und dann haben wir uns wegen dieses blöden T-Shirts ganz schön in die Haare gekriegt. Aber das war auch der einzige Streit, an den ich mich erinnern kann und es ist, wie gesagt, jetzt so ungefähr 16 Jahre her.

B-Tight: Ja, ungefähr 16-17 Jahre.

Der Film spielt in einer Zeit, in der der Berliner Hip Hop gerade von den Major Labels so richtig entdeckt wurde. Steckt da sehr viel Realität im Film und spielt ihr gerade darauf an?

Sido: Also es steckt sehr viel Realität darin, nicht unsere Realität, aber Realität an sich. Authentisch ist der Film sehr. Bis zu einem gewissen Punkt spiegelt er sogar annähernd unser Dasein, also den Anfang unserer Karriere, wider. Bis zu dem Punkt, wo die Major Plattenfirma kommt. Wir hatten nie, also bis vor zwei Jahren, mit Major Plattenfirmen zu tun. Das war für uns der große Teufel. Ab dem Punkt, wo im Film das Major Label ins Spiel kommt, ändert sich das komplett. Ab da kann ich auch nicht mehr sagen, dass Otis so gehandelt hätte, wie ich das machen würde. Da geht Otis ganz weit von mir weg, auf jeden Fall.

Sido, du hast ja auch am Drehbuch mitgeschrieben. Was genau hast du denn zur Story beigetragen?


Sido: Also, Otis, Eddy und Adal, die Charaktere, kommen von mir und dieses ganze Hip Hop Ding. Alles, was mit Hip Hop zu tun hat, kommt von mir. Da konnte ich nicht erwarten, dass die  Autoren wirklich wissen, wie man Hip Hop visualisiert. Wie solche Produktionsabläufe aussehen, wie sowas abläuft, Auftritte und so weiter... da musste ich denen schon was erklären. Für das ganze Storyboard und wie man den Film und so eine Story interessant macht, brauchten wir natürlich professionelle Leute. Aber dass es so Hip Hop wird wie möglich, dafür habe ich dann schon gesorgt, das war meine Aufgabe.

Alpa Gun hat sich extra für seine Rolle einen Bart wachsen lassen. Habt ihr auch etwas an euch verändert, wenn auch nicht unbedingt äußerlich?

B-Tight: Ja, also ich habe meine Brille abgenommen, sieht man ja auch schon auf den Fotos. Und ich habe mir einen kleinen Afro wachsen lassen und die Tattoos sind halt weggeschminkt. Und ich trage wieder richtige Baggy.
Sido: Du hattest doch so einen Afro, Alter, Digger.

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B-Tight: Habe ich doch gerade gesagt.

Sido: Achso, hast du ja gesagt.

B-Tight: Meine Fresse. (lacht)

Sido: Aber ich trage ja momentan diesen Vollbart und bin ein bisschen fülliger. Im Film bin ich sehr dünn und dafür habe ich extra gefastet und gehungert eine ganze Zeit lang. Und der Bart ist kürzer. Also ich sehe viel viel jünger aus, find ich, in dem Film. Keine Frisur, auch so halb Afro. (lacht)

Der Soundtrack zum Film kommt am 02.12.2011 heraus. Wie ist der entstanden? War das parallel zum Film?

Sido: Naja, viele Songs sind dann entstanden, als das Buch stand und wir wussten, okay, für die Szene brauchen wir so einen Song und die Songs sind als allererstes entstanden. Also die Songs, die im Film auch vorkommen, die natürlich vor dem Film auch geschrieben wurden. Aber wir haben auch danach noch exklusiveres Zeug gemacht, um aus dem Soundtrack auch ein vollwertiges Produkt zu machen. Da haben wir komplett auch neue Songs dafür gemacht, auch Feature-Gäste und deutsche Rapper mit dazugeholt. Es ist ein schönes Hip Hop Album geworden.

Ihr habt auch mit Sven Helbig zusammen gearbeitet. Wie seid ihr auf ihn gekommen? Er ist ja aus Dresden und macht auch viel mit den Pet Shop Boys, Polarkreis 18 oder Rammstein.

Sido: Der war der Musical Director von meinem MTV Unplugged. Und da wurde er mir über Universal vorgestellt, weil die ihn durch Rammstein-Projekte schon kannten. Er ist ein sehr Versierter und eigentlich eher aus dem Klassischen, aus der Orchestergegend. Und weil es bei MTV Unplugged so gut geklappt hat und er auch einige Songs von mir gut umgeschrieben hatte für das Unplugged, habe ich gesagt: Der ist der richtige, der dann so einen besonderen Film, auch mal weg vom Hip Hop, machen kann. Er hat ja nichts vom Soundtrack gemacht, also für die Mucke, die wir machen. Das ist ja alles Hip Hop und aus unserer Feder. Aber dann gibt es eben noch die Musik, wenn Leute irgendwie wegrennen, sowas Spannendes. Sowas hat er dann eben alles gemacht. Da sind sogar dann ein bisschen rockige Elemente drin. Und das finde ich ganz gut, dass es nicht so straight nur Hip Hop ist und wenn wir wegrennen, da so ein krasser Hip Hop Beat kommt. Da kommt dann auch mal eine Gitarre. Und das hat er da reingebracht, hat er gut gemacht.

Also ist es dann auch ein Crossover zwischen Hip Hop und Klassik und Rock?

Sido: Nein. Das einzige, was er da mit reingebracht hat, ist die Gitarre, also ein bisschen Rock. Mit Klassik hat der ganze Film gar nichts zu tun. Ich weiß nicht, ob man überhaupt eine Geige hört in dem Soundtrack.

Outtakes habt ihr ja sicherlich auch gehabt, also die Szenen, in denen man sich immer wieder verspricht. Musstet ihr eine Szene immer wieder drehen?

B-Tight: So einige. (lacht)

Sido: Aber immer die mit dir.

B-Tight: Ja, da gab es eine Szene, da hat einfach nichts gestimmt. Da kamen dann plötzlich Leute einfach vorbei und wir mussten die Treppe runterlaufen und dann genau an der Markierung stehen bleiben. Mal hat er verkackt, aber ich habe am meisten verkackt, muss ich ehrlich sagen. Aber trotzdem haben wir es irgendwie in den Kasten bekommen. Meistens sind es halt diese Markierungen, die man einhalten muss und Blicke zum Schluss. Da bin ich wahnsinnig geworden.

Sido: Timing. Timing ist das Schlimmste. Der Text, okay. Man ärgert sich natürlich, wenn man den Punkt getroffen hat, aber mitten auf dem Weg irgendwas genuschelt hat und nicht deutlich gesagt hat. Es ging darum, dass wir aus der Krankenhaustür rauskommen und eine Treppe runterlaufen und ich ihn so ein bisschen stütze. Wir mussten an so einem bestimmten Punkt stehen bleiben und uns fragend angucken. Das Problem ist nur, du darfst ja natürlich, während du auf deine Markierung läufst, nicht auf deine Markierung gucken, damit du sie triffst, sondern du musst die irgendwie im Augenwinkel haben und es muss aber trotzdem alles natürlich aussehen. Und dann musst du da stehen bleiben, auf so einer Markierung, das muss ja alles echt aussehen. Das Timing in dem Fall war das riesengrößte Problem. 19-mal haben wir das gedreht.

B-Tight: Ja, aber da gab es auch noch eine Szene, wo ich nicht dabei war. Da hat der Herr auch die Markierung nicht getroffen.

Sido: 14-mal. Und wenn ich sie dann getroffen habe, dann hat man mir das so angesehen, da hat man mir dann die Freude im Gesicht so angesehen. (lacht)

B-Tight: Es ist tatsächlich nicht einfach, aber es macht Spaß.

Ihr habt auch vor Drehbeginn außerhalb von Berlin geprobt. Hätte der Dreh auch ohne diese Proben funktioniert oder waren die besonders wichtig?

B-Tight: Also ich fand die sehr wichtig, weil dadurch haben wir auch gemerkt, welche Szenen funktionieren und welche nicht. Anhand der Proben sind auch ganz viele Szenen einfach mal rausgefallen. Oder wenn wir gemerkt haben, der Dialog geht irgendwie nicht klar, dann haben wir das nochmal umgeschrieben. Also auch für mich, um an Sicherheit zu gewinnen, was die Schauspielerei angeht, waren die Proben sehr wichtig.

Sido: Nicht nur für uns. Natürlich waren die für uns wichtig, aber die waren auch für jeden einzelnen, der Geld gegeben hat, jeden einzelnen Förderer wichtig, weil für die war es ein Riesenrisiko, die beiden Hauptrollen mit Laien zu besetzen in einem großen Kinofilm, der bei Constantin ist und von dem du willst, dass der eine große Nummer wird. Und dann besetzt du aber die zwei Hauptrollen mit Laien. Das war ein Riesenrisiko und deswegen wollten sie natürlich so viele Aufnahmen wie möglich im Vorfeld von uns haben. Diese Proben wurden auch alle mit aufgenommen, damit die sich auch immer sicher dabei sein konnten. Wo bei uns natürlich auch eine große Unsicherheit dabei entstanden ist war zum Beispiel, wenn dann so ein Feedback zurückkommt wie „Ja, wir sollten bei Bobby nochmal überlegen, ob wir nicht doch lieber einen Profi nehmen“.

B-Tight: Mola Adebisi oder so. (lacht) Nein, war nur Spaß.

Sido: Das war für mich aber nie eine Option, dass jemand anders an meiner Seite spielt.

Und wie war es für euch, als euch gesagt wurde, dass ihr die Hauptdarsteller sein sollt? Habt ihr sofort zugesagt?

Sido: Oliver Berben hat zu mir gesagt: „Ich würde gerne einen Film mit dir machen“. Da habe ich gesagt: „Okay, wenn wir das Buch alle zusammen schreiben und konzeptionieren und wenn Bobby und Alpa in dem Film mitspielen und wenn wir das so echt wie möglich machen mit meinen Kumpels“. Und deswegen war es nicht so, dass irgendjemand uns ein Buch geschickt hat und gesagt hat: „Wollt ihr die Hauptrollen haben?“, sondern ich habe denen aufgezwungen, dass wir die Hauptrollen sind, sonst hätte das Projekt nicht stattgefunden.

Am 29.12.2011 kommt der Kinofilm raus. Habt ihr Erwartungen?

B-Tight: Erstmal nicht.

Sido: Doch, ich ja. Eine Million Zuschauer.

B-Tight: Ich habe einfach die Hoffnung, dass es irgendwie funktioniert. Ich hoffe, dass die Leute das sehen und dann einfach sagen: „Ey, cool! Hat mir Spaß gemacht“. Die sollen aus dem Kino kommen und sagen: „Geil. Das war ein Erlebnis, hat sich gelohnt das Geld dafür auszugeben“. Wie auch immer, alles andere wäre für mich ein bisschen schade.

Sido: Aber durch das Gerede, dass es jetzt schon im Vorfeld gibt, und es ist ein gutes Gerede, glaube ich, dass wir die Million knacken können. Deswegen ist das meine Vorstellung. Also das würde ich mir wünschen, dass wir die Million knacken.

Wollt ihr auch, dass die Zuschauer verstehen, was Berliner Hip Hop ist, gerade für Leute, die sich noch nicht damit beschäftigt haben?

Sido: Das natürlich sowieso. Also wenn du mich fragst: „Was erwartest du?“, dann  komme ich immer gleich auf so eine Erfolgsschiene. Aber natürlich erwarte ich auch von dem Film selber, dass er Leuten, die mit Hip Hop nichts zu tun haben, dass die Hip Hop verstehen, vielleicht sogar sympathisch finden, ihn gut finden. Dass sie sich vielleicht auch mal überlegen, eine Hip Hop Platte zu kaufen oder mal besser zuhören bei so Rappern, weil wir haben ja doch was zu sagen. „Die sind gar nicht so plumpe Idioten, wie wir immer denken“. Also ich hoffe, dass der Film das hinkriegt.

Vielen Dank für das Gespräch!