| Marc von Benzin |
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| Geschrieben von: Praktikant |
"Wir haben früher immer “Deutschsprachige-Gitarrenscheiße” dazu gesagt. Inzwischen können wir uns auch mit dem etwas altbackenen Begriff der deutschsprachigen Rockmusik anfreunden."
Weshalb nennt Ihr euch “Chor der Kaputten”? Wir haben, wie immer für das neue Album Demos gesammelt. Jeder hat Songs mitgebracht und den anderen vorgespielt, das ist so ein bisschen die härteste Jury - nach DSDS - bei uns in der Band. (lacht) Da geht der Daumen entweder runter oder er geht hoch. (lacht) Chor der Kaputten, war einer der ersten Songs die wir hatten, überhaupt und da ging der Daumen ziemlich weit nach oben. Das ist eben so eine Richtung, mit der wir das ganze Album, auch thematisch, gestalten wollten. Es geht ja so ein bisschen um die nicht ganz auf der Sonnenseite des Lebens stehenden Menschen und da wir uns dort mit unseren 30 Lenzen, aber noch immer keine Million auf dem Konto auch nicht so im Monte Carlo bewegen, dachten wir, dass doch eine ganz gute Ausrichtung ist. Wir wollten immer authentisch bleiben. Das war uns ganz wichtig und ist uns, glaube ich, auch ziemlich gut gelungen. Wir zählen uns manchmal auch zu den kaputten der Gesellschaft. (lacht) Wie habt Ihr euch als Band zusammengefunden? Also der Sänger und der Bassist sind Zwillinge, insofern war das für die Beiden jetzt nicht sonderlich schwer. (lacht) Der Rest hat sich halt in den vergangenen Jahren so kennengelernt, aus verschiedenen befreundeten Bands. Es ist ja immer nicht ganz so einfach, jemanden zu suchen, wenn beispielsweise jemand aussteigt. Wovon lebt Ihr, wenn (noch) nicht von der Musik? Die Zwillinge sind bei Lehrer - man soll es ja nicht glauben, ist aber wirklich so. (lacht) Ich arbeite bei einem großen Medienunternehmen in München und der Gitarrist ist IT-Beauftragter. Also so ein bisschen von allem. Wie würdest du Eure Musik beschreiben? Wir haben früher immer “Deutschsprachige-Gitarrenscheiße” dazu gesagt. (lacht) Das hat aber noch nie jemand abgedruckt. (lacht) … Wir werden! (lacht) (lacht) Inzwischen können wir uns auch mit dem etwas altbackenen Begriff der deutschsprachigen Rockmusik anfreunden. Es hat sicher Berührungspunkte mit Pop, Punk und ein bisschen Indie, deswegen ist das mit der Schublade immer ein bisschen schwierig und wenn dann bitte die generellste, was dann halt die Rockmusik wäre. Und wie entsteht diese dann? Habt Ihr dann eine kleine Session und dann entsteht da irgendwas, oder wie läuft das ab? Also meistens ist es schon so, dass ein paar zumindest grob durchdachte Songs mitgebracht werden. Also es ist nicht so, dass wir uns jetzt hinsetzen und sagen, wir müssen jetzt ein Lied schrieben und üben. Das haben wir auch schon probiert, aber das war ganz schrecklich. Bei uns ist es so, dass es immer eine Kernidee kommt die meistens von einem einzelnem stammt und die wir dann halt ausarbeitet. Das ist immer ganz unterschiedlich. Das hier ist jetzt Euer viertes Studioalbum, oder? Ja, also wir sind zwar noch keine Plattenmillionaire geworden, haben aber den Versuch schon Dreimal gewagt. Wie lange habt Ihr denn daran gesessen bis es fertig war? Naja, ich würde sagen, so eineinhalb Jahre schon. Also eigentlich wird der erste Song immer geschrieben, wenn das aktuelle Album gerade rauskommt, oder eben kurz danach. Geht Ihr danach auch auf eine kleinere Tour? Also wir machen jetzt im Februar/ März mit einer anderen Band zusammen 15 Shows, höchstwahrscheinlich, dann sind im Sommer natürlich auch wieder viele Festivals und im Herbst machen wir dann sicher auch noch mal eine kleine Tour. Spielst Du selbst auch noch andere Instrumente außer Schlagzeug? Also wir spielen hier eigentlich jeder von jedem ein bisschen das Instrument. Also, es ist halt immer gut, wenn man ein paar Sachen auch auf dem Instrument der anderen spielen kann, aber das ist natürlich alles rudimentär. Wie habt Ihr es eigentlich geschafft, dass Ihr euer Album damals überhaupt rausbringen konntet. Man hört ja immer, dass es für Bands ein wenig schwierig ist, das erste Album rauszubringen.. Das ist es auch. Das erste ist tatsächlich auch gar nicht mehr bekannt, da es dann später von einem Label aufgekauft wurde. Also man sitzt hier halt die ganze Zeit zusammen und schreibst Songs für Konzerte und dann hat man so viele, dass man sagt: „Nagut, dann machen wir jetzt ein Album.“. Und, wenn man dann kein Label findet, muss man halt einfach den schritt gehen und sagen, man bringt das Album dann eben selbst raus. Früher hießt Ihr ja mal „Uncle Benz“, aber das hat dann richtig Ärger gemacht, oder? Genau, da haben wir mal einen Brief bekommen und da standen dann ungefähr 10 Anwaltskanzleien drauf, wo man sich dann wirklich überlegt hat: „Will man sich das jetzt antun oder nicht?“. Wir sollten dann den Namen ablegen und den nicht weiter verwenden. Wir hatten zwar hinten statt dem „`s“ ein „z“, aber das war den scheinbar egal. Naja und dann wurde eben aus dem „Benz“ das „Benzin“. Den Namen kann man sich zwar super merken, aber wenn man den in einer Suchmaschine eingibt kommt man halt irgendwie immer bei Tankstellen. Wenn das Album dann draußen ist, gibt es dann auch eine kleine Clubtour oder ähnliches? Ja, also wir machen zuerst in Ulm, unserer Heimatstadt, eine ziemlich große Releaseparty und die ist dann auch quasi der Startschuss für die nächsten Shows, die dann folgen. Wie kann man sich denn so ein Konzert von euch vorstellen? Also, außer, dass ihr natürlich die Bühne rockt... Punkt 1: Wir rocken die Bühne. Punkt 2: Wir wissen nicht, was wir tun. Punkt 3: Wir gucken freundlich, wenn wir dann endlich wissen, was wir tun. Und Punkt 4: Wir hoffen, es fühlen sich alle gut unterhalten. (lacht) Also, so kann man das Teil dann tatsächlich beschreiben. Was warst Du denn in der Schule für ein Schultyp? Also, ich hab mich immer irgendwie durchgeschissen. Ich hatte sowohl im schriftlichen als auch mündlichen Mathe-Abi null Punkte, was aber ging, da ich dann irgendwie im 2. Halbjahr der 13. Klasse mal 2 Punkte geschrieben hatte und somit nicht ganz auf die Null Punkte runtergezogen wurde. Ich war dann aber ein total vorbildlicher Student. Ich hab zwar auch viel zu lange studiert, hab aber dann wenigstens mit 2,1 abgeschlossen und das ist ja auch etwas. Wann hast Du denn überhaupt angefangen ein Instrument zu spielen? Ich habe angefangen 1995, da war ich 14 Jahre. Also eigentlich auch schon ganz schön spät. Andere fangen da ja schon viel, viel früher an, aber ich hab das dann halt nachgeholt. Gab es denn da so einen bestimmten Moment, wo Du gesagt hast: „Ey cool, dass will ich auch.“? Ja, ich war damals mit einem Kumpel in einem Musikladen und der wollte sich dort ein Instrument kaufen und da hab ich das Schlagzeug gesehen... Gut, dann kommen wir jetzt auch einfach mal zur letzten Frage: Wo siehst Du dich und die Band in 10 Jahren? Ich hoffe immer noch mit einem Lachen auf dem Gesicht und auf irgendwelchen Bühnen unterwegs und hoffentlich auch noch in der Konstellation. Ein wunderbares Schlusswort. Vielen Dank für das Interview und tschüss. |