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Stars Interviews Itchy von Culcha Candela
Itchy von Culcha Candela Drucken
Geschrieben von: PK   

"Wir unterstützen eine Menge Projekte, das könnt ihr auch gerne auf unserer Website nachschauen, da steht das auch alles im Detail und die meisten Projekte, die wir unterstützen haben eben etwas mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Wir haben, zum Beispiel, durch die Erlöse eines Samplers eine Berufsschule in Uganda aufgebaut und unterstützen die jedes Jahr in den anfallenden Kosten."

Culcha Candela gibt es ja schon seit 2001, war es damals, als ihr auch noch noch nicht so viele ward absehbar, dass ihr mal so erfolgreich werden würdet? Ihr habt ja letztes Jahr den VIVA- Cometen für die Beste Band gewonnen...

Also, wir haben es auf jeden Fall gehofft und daran geglaubt, aber absehbar war das nicht. Es ist schon alles supergeil, so wie es gekommen ist und wie sich das auch entwickelt hat. Wir sind ja jetzt seit 10 Jahren zusammen und irgendwie hatten wir auch immer Zeit dazwischen um nachzudenken und das alles, was wir erlebt haben zu würdigen. Es ist schon manchmal verrückt, wenn man mal so darüber nachdenkt, wo wir schon überall Konzerte gespielt haben, auf den kleinsten Bühnen und unsere eigenen Touren. Es war eine geile Zeit und schwuppsdiwupps waren 10 Jahre vorbei.

Also habt ihr eure Entscheidung nie bereut..?

Never Ever!

Gab es damals für dich eigentlich auch eine Alternative? Also, wenn du jetzt kein Sänger wärst, wärst du jetzt ein total bodenständiger Fließenleger...

Naja, ich hab ja nebenbei noch so mein Heizungsunternehmen (lacht) und verkaufe Heizkörper. Äh, nee, also es hätte natürlich immer Alternativen gegeben, weil ich einfach so die Sorte Mensch bin. Ich hätte auf jeden Fall etwas anderes gefunden und etwas anderes gemacht. Ich hab ja auch jetzt noch, während der Band, meistens noch mindestens drei andere Sachen am Laufen. Da hab ich halt irgendwie Bock drauf. Man muss sich halt nur dafür entscheiden, dass man das, was man machen will auch voll und ganz machen will und diese Entscheidung haben wir dann auch irgendwann getroffen, auch wenn die ein bisschen mit Risiko verbunden war, denn es hat uns ja keiner gesagt, dass es klappen würde, aber ein paar Wochen später ging es dann schon los mit dem Erfolg. Das ist auch ein psychologischer Punkt, wenn man sich für etwas entscheidet, dann steckt man da mehr Herzblut und Energie rein.

„Culcha Candela“ heißt ja „Heiße Kultur“ übersetzt, erinnerst du dich noch daran, wer damals darauf gekommen ist?

Ich kann mich erinnern, als wäre es heute gewesen (lacht). Wir haben uns zu dritt in einer Bar getroffen und auf Servietten und Pappdeckel verschiedene Namen gekritzelt und ich fand halt die Alliteration geil, weil Alliterationen einfach irgendwie immer geil sind, in der Musik, vom Klang her. CC ist halt auch ein bisschen wie Coca- Cola. Also der Name soll halt auch ein bisschen symbolisieren, was wir so sind und was wir machen. „Culcha“ kommt vom englischen „Culture“ , also „Kultur“ und „Candela“ ist Spanisch und wir haben da immer Sprachen gemischt, so ganz bunt. Am nächsten Morgen bin ich dann aufgewacht und da war diese Serviette mit den draufgekritzelten Namen und „Culcha Candela“ hat sich halt einfach am geilsten angehört.

Das neue Album heißt „Flätrate“, wie lange sitzt ihr denn so normalerweise an so einem Album? Ich mein, ihr seid ja nun relativ viele.

Das ist immer ganz unterschiedlich. Für das Album hab ich genau vor einem Jahr angefangen Songs zu schrieben. Also, im Januar, fast auf den Tag genau. Das Songwriting ist eigentlich das zeitintensivste und dann geht man halt so ein, zwei Monate ins Studio und produziert die Sachen noch aus, aber heutzutage kann man halt mit geringem Aufwand relativ gute Vorproduktionen machen und, wie gesagt, dieser kreative Prozess ist der, der am längsten dauert. Manchmal geht es ganz schnell, dass man einen Song schreibt und manchmal sitzt man dann auch Wochen dran und muss es dann auch irgendwie kurz weglegen.

Wie kann man sich bei dir denn die Textfindung vorstellen?

Eigentlich ganz easy. Früher hatte ich da immer so ein Büchlein, jetzt hab ich halt mein iPhone und da sind bei Notizen immer hunderte von Ideen drin und dann muss ich die eigentlich immer nur abarbeiten, aber ich komm eben nie dazu, alle Ideen zu machen. Es geht immer weiter und die Notizen füllen sich auch immer mehr, von Tag zu Tag.

Habt ihr zuerst die Musik oder den Text oder kommt das alles zusammen?

Das ist auch ganz unterschiedlich. Manchmal hat man eine Melodie im Kopf und dann speichert man die auch auf sein iPhone und manchmal hat man auch einfach nur ein Wort. Zum Beispiel „Berlin Citygirl“ war so etwas, das war am Anfang einfach nur so ein Slogan. Ganz oft ist aber zuerst das Instrumentale da, also in der groben Form, und ich schreib halt gerne auf schon vorhandene Musik und dafür haben wir eben ein gutes Team und arbeiten da auch Hand in Hand.

Was wäre der Mensch ohne sein iPhone? (beide lachen)

Also früher, da hatte ich auch so ein Diktiergerät mit, ich glaube so 3 MB Speicher und musste da auch irgendwie aller 2 Wochen die Batterien wechseln und das dann auch noch ganz umständlich per USB- Kabel auf mein Computer ziehen, aber es hat auch irgendwie geklappt. (beide lachen)

Was hörst du denn privat für Musik? Also eure Musik ist ja klar, aber sonst?

Also, ich muss, bei aller Eitelkeit, sagen, dass ich unsere eigene Musik voll ungerne höre, beziehungsweise, freue ich mich, wenn die irgendwo läuft, natürlich, aber ich hör die jetzt nicht privat zum Genuss, weil ich die ja schon während der Produktion höre, in verschiedenen Auszügen und dann haben wir ja auch noch eine Tour und um die hundert Konzerte jedes Jahr und da hören wir die Lieder dann auch zur Genüge. Privat höre ich total gerne alles Mögliche, also zum Beispiel Rammstein, Metallica, Red Hot Chillipeppers und ich kauf mir auch irgendwie jede Woche die neusten Sachen bei iTunes, weil ich auch total gerne immer mit der Zeit sein möchte.

Könntest du dir vorstellen, das Culcha irgendwann noch weiter wächst?

Wir sind ja jetzt schon 6 Mitglieder und ich finde das reicht auch wirklich aus. Also, wir haben uns ja jetzt quasi letzte Saison ein wenig erweitert, da wir ein paar Damen an Bord geholt haben, also live. Das haben wir vorher noch nie gemacht. Wir arbeiten jetzt halt mit Tänzerinnen zusammen, aber sonst so, in der Band reicht es auch ehrlich gesagt.

Ist nach dem Album schon irgendwas geplant? Folgt da jetzt gleich anschließend eine Tour oder macht ihr eine Live- DVD?

Ja, genau, wir gehen im März auf Tour. Deutschland, Österreich und die Schweiz, das sind dann auch die bisher größten Locations, in denen wir gespielt haben. Das ist ganz, ganz spannend, weil es läuft auch richtig gut und wir verkaufen jede Woche voll viel Tickets und da steigt halt auch irgendwie der Druck, eine geile Show auf die Beine zu bringen. Wir werden den ganzen Februar in den Proberaum gehen. Im Sommer kommen dann noch ein paar Festivals und zwischendurch werden wir dann wahrscheinlich auch die eine oder andere Single rausbringen und dann machen wir auch schon das Christmas- Album (lacht).

Ihr habt mal vor langer Zeit das Projekt „Kein Bock auf Nazis“ unterstützt, habt ihr da in der Richtung noch irgendwas am Laufen?

Wir unterstützen eine Menge Projekte, das könnt ihr auch gerne auf unserer Website nachschauen, da steht das auch alles im Detail und die meisten Projekte, die wir unterstützen haben eben etwas mit Kindern und Jugendlichen zu tun. Wir haben, zum Beispiel, durch die Erlöse eines Samplers eine Berufsschule in Uganda aufgebaut und unterstützen die jedes Jahr in den anfallenden Kosten. Bei „Kein Bock auf Nazis“ war jetzt irgendwie keine große Resonanz zu spüren. Also nicht, dass wir jetzt irgendwelche Fanbriefe von Nazis bekommen haben (lacht und scherzt ironisch weiter), ist eigentlich ein bisschen schade, da hatte ich mir jetzt eigentlich mehr erhofft, keine Ahnung, was da los war.

Was warst du denn selbst für ein Jugendlicher in der Schulzeit?

Ja, also ich hatte halt so Stiefel an, kurze Haare (lacht). Nee, nee, also ich war früher so auf Radau aus, mit zwölf/vierzehn Jahren politisch aktiv und ich fand auch Punkmusik toll. Und dann kam irgendwie DIE neue Musik, die alles kombiniert hat und die hat mir auch voll aus dem Herzen gesprochen und das war Hip Hop. Da hab ich dann angefangen Graffiti zu malen und das fand ich auch ganz, ganz toll. Das ging dann auch ein paar Jahre, dann hab ich angefangen aufzulegen und so bin ich auch zur Musik gekommen. Ansonsten würde ich halt sagen, dass ich ein völlig normaler Jugendlicher war, obwohl meine Mutter da immer etwas anderes behauptet (lacht).

Was sagen denn die Zeugnisse? (lacht)

Naja, das ist halt wie bei jedem Genie, die waren nie wirklich gut (lacht). Wie bei Einstein, da befinde ich mich in großartiger Gesellschaft. Ich war auch total schlecht in Musik, aber das hing dann auch mit dem Lehrer zusammen. Also ich kann nur jedem sagen, Schule ist eine tolle Zeit, aber es ist auch gut, wenn es dann vorbei ist. Ich hab mein Abi mit Ach und Krach geschafft und bin aber auch einfach eher der Typ für praktische Arbeiten, ich wollte eben immer irgendwas machen.

Du hattest jetzt mal etwas mit Madcon zusammen gemacht, stehen denn noch weitere Soloprojekte an?

Naja, das war ja nicht wirklich Solo gewesen und es hat mich ein bisschen an meine eigene Band erinnert, nur mit weniger Mitgliedern (lacht). Es war auf jeden Fall super und ich mach ja auch mit DJ Chino aus der Band ein DJ- Projekt, wo wir in ein paar Clubs auflegen, schon seit drei Jahren und da wollten wir auch gern mal ein eigenes Album aufnehmen.

Und so schauspielmäßig, würdest du da auch gern was machen?

Hab ich Bock, ja, aber da wurden mir bisher nur so komische Rollen in schlüpfrigen Filmen mit komischen Namen angeboten (lacht), aber die konnte ich leider nicht machen, weil ich ein bisschen schüchtern bin und so (lacht). Also mich interessiert die Schauspielerei, aber ich würde halt ungern einen Musiker oder so etwas wie mich selbst spielen. Ich würde gern etwas Abgedrehtes spielen, wo ich auch die Möglichkeit habe, an meine Grenzen zu gehen.

So, dann sind wir auch schon bei der letzten Frage..Wo siehst du dich und die Band in 10 Jahren?

Oh, also irgendwie sind die letzten 10 Jahre wie im Flug vergangen, aber inhaltlich haben sie sich angefühlt wie mehr, weil wir ja voll viel erleben und das finde ich richtig gut, das macht mich auch irgendwie stolz. Das ist total geil und wir werden auf jeden Fall weitermachen und dann hoffen wir mal, dass es einfach so weitergeht wie bisher.

Gut, also dann danke ich dir und wünsche dir noch einen schönen Tag.
Tschüss.